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Das Projekt "Altstadt für Alle!"

Das Projekt "Altstadt für Alle!"

1. Anlass

In den letzten Jahren hat sich der Blick für Fehler und Irrtümer in der Stadtentwicklung der vergangenen Jahrzehnte deutlich geschärft. Neben dem allgemeinen gesellschaftlichen Trend zu einer neuen "(Re)Urbanisierung" und einem gestiegenen Interesse für den Öffentlichen Raum und für die Lebensqualität unserer Städte dokumentiert sich das in einer Vielzahl von Programmen und Publikationen. So etwa
- in der EU-Agenda "Pakt von Amsterdam" von 2016,
- im Gutachten "Die transformative Kraft der Städte" des WBGU (Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen) vom Sommer 2016,
- im "Weißbuch Innenstadt" des Bundesbauministeriums von 2011 sowie
- in der "Leipzig-Charta zur nachhaltigen europäischen Stadt" von 2007.

In all diesen Programmen und Publikationen findet sich das Bekenntnis zur funktionsgemischten, nachhaltigen, sozial vielfältigen und lebenswerten Stadt, welche die Stärken der traditionsreichen "europäischen Stadt" in moderner Form wiederbelebt sehen will. In der Hamburger Innenstadt finden wir als Anlieger und zivilgesellschaftliche Akteure, die in der Innenstadt arbeiten, genau diese Qualitäten nicht wieder.

Stand der Diskussion in Hamburg
In Hamburg fokussiert sich die Diskussion um die Zukunft der Stadt nach den gescheiterten Olympiaplänen, dem zügigen Fortschritt der HafenCity-Realisierung und dem Erfolg der Elbphilharmonie verstärkt auch auf die Innenstadt, das Gelände innerhalb des Wallrings mit Altstadt, Neustadt und HafenCity. Das "Innenstadtkonzept Hamburg 2014" des Hamburger Senats aber auch die Publikation "Wirtschaftsstandort Innenstadt" der Hamburger Handelskammer vom Oktober 2016 reflektieren in ihren Einleitungen und Zielbeschreibungen die neuen Werte und Kriterien. So wird im Innenstadtkonzept die Stärkung des Wohnanteils gefordert, um die Innenstadt zu stärken, die öffentlichen Räume sollen aufgewertet und die Innenstadt als Zentrum der Kultur gestärkt werden um ihre Funktion als wichtigster Standort für Einzelhandel und Dienstleistungen zu sichern.
Die bisher geplanten bzw. vorgeschlagenen Maßnahmen entsprechen nur in den seltensten Fällen die eigenen Erkenntnisse und Leitbilder. Wirklich neue und attraktive Wegebeziehungen für Fußgänger, nachhaltige Verbesserungen der Qualität öffentlicher Räume und bezahlbare neue Wohnungen auch für einkommensschwache Bevölkerungsgruppen sucht man in den Innenstadt vergebens. Dabei zeigen Städte wie etwa Kopenhagen, Wien oder Barcelona, dass es mehr möglich ist, als Korrekturen im Detail. Gerade in Hamburg erscheint uns die Kluft zwischen Erkenntnis und Handeln besonders groß.
Dabei bringen unser Stadtstaat und seine aktive Bürgergesellschaft beste Voraussetzungen mit, mutige und innovative Schritte in eine am Menschen und den Prinzipien der Nachhaltigkeit orientierten Stadtentwicklung zu gehen. Die Rahmenbedingungen sind heute so günstig wie nie:
- Das Wachstum der Stadt durch die HafenCity eröffnet jetzt Gestaltungsräume in der Innenstadt. Der weiterhin hohe Bedarf nach Wohnungen ist ein zusätzlicher Anreiz, auch im Innenstadtbereich Wohnungen zu bauen und damit die Innenstadt nachhaltig zu beleben.
- Durch eine grundlegende Neugestaltung des Verkehrs in der Innenstadt könnten die aktuelle Verkehrs-, Lärm- und Luftbelastung in diesem Bereich entsprechend im Rahmen der bereits heue gültigen Emissionsvorschriften reduziert werden. Die Stadt hat die politisch-administrativen Möglichkeiten für eine neue Politik aus einer Hand.

2. Zielsetzung und Programm

Die Initiative "Altstadt für Alle!" will einen Beitrag leisten, Raum für neue Denkweisen und konkrete Veränderungsvorschläge zu schaffen. Wir fokussieren uns dabei ganz bewusst auf die Hamburger Innenstadt: Zum einen, weil hier der aktuelle Handlungsdruck besonders groß ist, nicht zuletzt aber, weil wir uns davon eine Signalwirkung für die Stadtentwicklung in ganz Hamburg versprechen.
Wir möchten Vorschläge erarbeiten für eine bessere soziale Mischung und eine Innenstadt mit mehr Möglichkeiten für Bildung, Begegnung und Kultur, uns geht es gerade hier um die Interessen aller Hamburger Bürgerinnen und Bürger.
Dafür wollen wir in diesem Jahr einen stadtgesellschaftlichen Diskurs über ambitionierte Zielsetzungen für die Hamburger Innenstadt in den vier Handlungsfeldern Wohnen, Arbeit, Begegnung und Mobilität anstoßen, gleichzeitig aber auch zur Entwicklung strategischer Projekte beitragen, deren Verwirklichung den Weg in eine neue Entwicklung der Innenstadt konkret aufzeigen kann.
Selbstverständlich können und wollen wir nicht an die Stelle der offiziellen Akteure der Hamburger Stadtentwicklung treten. Wir wollen aber die Plattform für einen neuen stadtgesellschaftlichen Diskurs bieten, Anregungen, Vorschläge und Ideen aufnehmen, geben, diskutieren und weiterentwickeln – immer das Ziel einer konkreten Umsetzung vor Augen. Dabei wollen wir bereits vorhandene Projekte und Initiativen einbinden bzw. uns mit ihnen vernetzen.

Unsere Planung
Am 2. Mai 2017 fand ein erstes Werkstattgespräch in der Patriotischen Gesellschaft statt. Mit der Ansprache und Einladung von Initiativen, Personen und Institutionen wurde bereits begonnen. Am 6. und 7. Oktober 2017 soll ein Wochenendworkshop stattfinden, auf dem wir in vier Workshops zu den Handlungsfeldern Wohnen, Arbeit, Begegnung und Mobilität Projekte identifizieren und auf den Weg bringen wollen. Mit der Konzeption des Workshops wurde bereits begonnen. Teil des Workshops ist voraussichtlich auch ein Stadtrundgang mit dem Team von Jan Gehl, der die vorbildliche Stadtentwicklung in Kopenhagen in den letzten Jahrzehnten entscheidend mit beeinflusst hat.
Parallel dazu haben wir den ersten Entwurf des programmatischen Aufrufs "Altstadt für Alle!" verfasst, der die allgemeinen Zielsetzungen unserer Initiative beschreibt.
Auf der Basis der Ergebnisse von Wochenendworkshop, Werkstattgesprächen und der Resonanz auf unseren Aufruf soll die Initiative anschließend weiter entwickelt und fortgesetzt werden.

Die bisherige Arbeit der Initiative
Bereits am 22. September 2016 fand eine erste Veranstaltung mit dem Titel "Die Altstadt entfesseln! – Perspektiven einer menschenfreundlichen Stadtentwicklung" statt, bei der Ideen für eine Revitalisierung und Neubestimmung öffentlicher Räume in der Innenstadt präsentiert und mit Falko Droßmann, dem Leiter des Bezirksamtes Mitte, diskutiert wurden. Zwei der damals vorgeschlagenen Projekte haben inzwischen Fahrt aufgenommen: Der Vorschlag, südlich und nördlich des Hamburger Hauptbahnhofs durch die Überdeckelung der Bahngleise neue große Plätze und eine Verbindung zum Gebiet östlich des Hauptbahnhofs zu schaffen, ist gegenwärtig Gegenstand einer Machbarkeitsstudie, die der Hamburger Senat in Auftrag gegeben hat. Der Vorschlag, schrittweise die Willy-Brandt- und Ludwig-Erhard-Straße zurückzubauen und damit die nach dem 2. Weltkrieg mitten durch Hamburgs Innenstadt geschlagene Schneise zu schließen, wurde von der Hamburger Lokalpresse mit großer Zustimmung aufgegriffen und inzwischen auch von der Hamburger Handelskammer unterstützt.
Die interne Evaluation dieser sehr gut besuchten und lebhaften Veranstaltung trug mit dazu bei, die Initiative mit dem hier vorgestellten Projekt "Altstadt für Alle!" fortzusetzen. Wesentliche Erkenntnis war, dass der Bedarf nach einem neuen Nachdenken über die Hamburger Innenstadt groß ist und der Wunsch nach der konkreten Realisierung auch ambitionierter Zielsetzungen wächst.

3. Organisation und Träger

Die Initiative "Altstadt für Alle!" wird getragen durch die Patriotische Gesellschaft von 1765, die Evangelische Akademie der Nordkirche sowie die Gruppe "Hamburg entfesseln!", von der die ersten Impulse für diese Initiative ausgingen.
Sprecher der Initiative sind Johannes Jörn, Vorstandsmitglied der Patriotischen Gesellschaft, Jörg Herrmann, Direktor der Evangelischen Akademie der Nordkirche und Pastor Frank Engelbrecht, Gründungsmitglied der Gruppe „Hamburg entfesseln!“.
Die inhaltliche Arbeit der Initiative wird zum großen Teil ehrenamtlich erbracht. Beteiligt sind unter anderem die Arbeitskreise Stadtentwicklung und Denkmalschutz der Patriotischen Gesellschaft sowie die IG St. Katharinen. Die Patriotische Gesellschaft hat in Eigenleistung einen großen Teil der organisatorischen Belange übernommen (Besprechungsräume, Kontoführung, Einladungen etc.). Darüber hinaus unterstützen die Patriotische Gesellschaft und die Evangelische Akademie der Nordkirche die Initiative finanziell insbesondere aber auch durch die aktive Beteiligung von Hauptamtlichen.
Grundprinzipien der Initiative "Altstadt für Alle!" sind absolute Unabhängigkeit und Offenheit nach allen Seiten. Dafür stehen die Träger der Initiative. Dieser Trägerkreis soll auch in Zukunft nicht erweitert werden.
Um die Projekte der Initiative durchzuführen und ihre Arbeit fortzusetzen, wird gegenwärtig ein "Unterstützerkreis"“ geworben. Hierbei geht es um Stiftungen und Institutionen, welche die Arbeit der Initiative fördern bzw. im weiteren Verlauf evtentuell auch bestimmte Projekte fördern wollen. Dieser Unterstützerkreis wird fortlaufend über die Arbeit der Initiative informiert, zu allen Veranstaltungen eingeladen und kann bzw. soll die Initiative auch inhaltlich beraten und unterstützen.

4. Finanzierung

Der Finanzbedarf für den bisherigen Planungszeitraum bis einschließlich Oktober wird im Wesentlichen durch die Finanzierung der beiden Veranstaltungen am 2. Mai und am 6. und 7. Oktober 2017 inklusive Vorbereitung, Medienarbeit sowie Auswertung und Nachbereitung bestimmt.
Die Gesamtsumme beläuft sich auf rund 25.000 €, von denen derzeit (Stand 31. März 2017) bereits rund 7.000 € gedeckt sind. Für die Lücke von 18.000 € aber auch für die Fortführung über den Oktober 2017 hinaus sucht die Initiative Unterstützer, die sich mit Beiträge von mindestens 1.000 € beteiligen wollen.