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Symposium
Denkmalpflege für die Stadt der Zukunft

24. und 25. Juni 2016
Veranstaltet vom Arbeitskreis Denkmalschutz der Patriotischen Gesellschaft von 1765

Seit mehr als einem Jahrzehnt schwelt die Debatte um Nutzen, Ziele, Inhalte und Instrumente des Denkmalschutzes. Die beteiligten Institutionen wirken angesichts der rasanten und tiefgreifenden Veränderungen der Städte bisweilen überfordert. Insbesondere die Bauten der 1950-70er Jahre werden mit den zeitgemäßen Ansprüchen an Effizienz, Behinderteneignung und Nachhaltigkeit konfrontiert. Sie genießen (noch) wenig Wertschätzung, finden aber bei jüngeren Generationen mit ihren ästhetischen und städtebaulichen Qualitäten zunehmende Akzeptanz. Besonders in den Stadtzentren sind diese Bauten einem immer stärker wirkenden ökonomischem Verwertungsdruck ausgesetzt. Das soziale Gefüge und die kulturelle Identität der Stadt bleiben dabei oft auf der Strecke. Längst wird der Denkmalschutz auch für Aufwertungs- und Verdrängungsprozesse missbraucht: Immer mehr zählt dabei der Anmutszauber der Geschichte und nicht ihre ethische, politische und kritische Dimension. Fragen nach sozialer Verantwortung oder nach dem Verhältnis von Migration und Kulturerbe erweitern die Diskussion. Die Denkmalämter drängen im Rahmen von Gesetzesnovellierungen auf Kompetenzerweiterungen. Doch ihr institutionalisiertes Selbstverständnis, ihre Kriterien und obrigkeitsstaatlichen Verfahren sind umstritten, das Agieren der amtlichen Denkmalpflege erscheint oft beliebig und intransparent. Eine wirkungsvolle Denkmalpflege ist heute ohne öffentliche Bewusstseinsbildung und bürgerliches Engagement nicht mehr denkbar.

Dieser Diskussion möchte die Patriotische Gesellschaft von 1765 – ihrem Selbstverständnis folgend – neue Impulse zu geben: Was kann und muss die heutige Denkmalpflege für die Stadt der Zukunft leisten? Wodurch können öffentliche Bewusstseinsprozesse über Denkmäler und zivilgesellschaftliches Engagement für ihren Erhalt gefördert werden?

Die zweitägige Fachtagung "Symposium Denkmalpflege für die Stadt der Zukunft" fand mit rund 130 Teilnehmern im Haus der Patriotischen Gesellschaft statt. Am ersten Tag wurden die Probleme theoretisch ausgeleuchtet, der zweite Tag bot im Rahmen von Workshops und Exkursionen einen Meinungsaustausch, der zu einer abschließenden Resolution führte:

1. Die Belange und Inhalte von Denkmalschutz und Denkmalpflege müssen in der Öffentlichkeit besser vermittelt und das allgemeine Wissen um die Baukultur vorangetrieben werden. Die Bürgerbeteiligung in der Denkmalpflege gilt es zu stärken, z.B. durch die Möglichkeit einer Verbandsklage.

2. Um ihre gesellschaftliche Aufgabe besser erfüllen zu können, brauchen die Denkmalämter eine eigenständigere Position mit einer stabilen Personaldecke sowie der Respektierung durch Politik und Verwaltung.

3. Alle Betroffenen einer Baumaßnahme müssen rechtzeitig und umfassend informiert werden, um sich äußern und einbringen zu können.

4. Daher muss die „Phase 0“, die ein bauliches Projekt vorbereitet und kommunikativ begleitet, gesetzlich verankert werden. Wir brauchen eine definierte Beteiligungskultur!

5. Die Beteiligten – auch der/die Denkmalpfleger/in – müssen sich in der öffentlichen Diskussion frei äußern dürfen; dies sollte sogar eine Pflicht werden.

6. Der Hamburger Denkmalrat muss gestärkt sowie fachkundig erweitert und nachvollziehbar besetzt werden!

7. Konkret rufen die Teilnehmer der Tagung dazu auf: Gebt den Cityhof, den Stintfang, die Schilleroper, den Reichardtblock und die Josephterrassen als stadtgeschichtlich bedeutsame Monumente Hamburgs nicht preis! Die Aufstockung des Flakbunkers auf dem Heiligengeistfeld ist zu verhindern!

Kontakt

Johann-Christian Kottmeier

Sprecher des Arbeitskreises Denkmalschutz

info@patriotische-gesellschaft.de