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Das Haus der Patriotischen Gesellschaft

Das Haus der Patriotischen Gesellschaft, eines der bedeutenden Baudenkmäler Hamburgs, befindet sich im Stadtzentrum an der Trostbrücke – dort, wo fast 600 Jahre lang das Hamburger Rathaus gestanden hat, bis es zur Eindämmung des Feuers während des Großen Brandes im Mai 1842 gesprengt werden muss. Eineinhalb Jahre später beschließt der Rat der Stadt, der 1765 gegründeten Patriotischen Gesellschaft, deren eigenes Haus in der Großen Johannisstraße ebenfalls dem Brand zum Opfer gefallen ist, das 980 m² große Grundstück am Nikolaifleet für einen Neubau zu überlassen, mit der Begründung,

"daß die vaterländischen ernsten und ehrwürdigen Erinnerungen, die sich an diese Stelle knüpfen, jedem Hamburger zu theuer seien, als daß er nicht vermieden zu sehen dringend wünschen sollte, durch eine Zerstückelung in Privatplätze jede Spur jener Erinnerungen zu vertilgen".

Der von ihr 1844 ausgeschriebene Wettbewerb für den Bau eines neuen Vereinshauses macht das Selbstverständnis der Patriotischen Gesellschaft deutlich: Es soll eine „angemessene, würdige und unserer Stadt auch äußerlich zur Zierde gereichende Stätte errichtet werden, in der die wissenschaftlichen, künstlerischen, gewerblichen und gemeinnützigen Bestrebungen vereinter Bürger [...] einen Mittelpunkt des Wirkens würden finden können“.

Im Sommer 1844 beginnen die Arbeiten an dem von Theodor Bülau entworfenen Haus, einem schlichten viergeschossigen Mauerwerksbau mit Kontorflächen über Geschäftslokalen im Keller und einem vorgestellten Saalbau mit darunter befindlichen Ladenflächen zur Vermietung. Am 1. Dezember 1847 wird das Haus, dessen Fassaden „bei der Anordnung des ganzen Baus auf Dauerhaftigkeit ohne Putz und Bewurf“ ausgeführt werden und dessen Baustil Anklänge an umgebende Speicher- und Wohnbauten zeigt, eingeweiht.

Das Haus ist fast ein halbes Jahrhundert lang Ort politischer Entscheidungen: Im großen Saal (dem heutigen Reimarus-Saal) tagt von 1848 bis 1850 die verfassunggebende Versammlung, die „Konstituante“, und vom 6. Dezember 1859 an die Bürgerschaft, bis sie 1897 in das neu erbaute Rathaus einziehen kann. 1878 wird nach einem Dachstuhlbrand das Dach ausgebaut, und nach dem Auszug der Bürgerschaft werden unter der Leitung des Architekten Hugo Groothoff ein Bücherspeicher auf dem Saalbau errichtet, ein hydraulischer Personenaufzug eingebaut und das Kontorhaus auf der Fleetseite um ein Geschoss erhöht.

Nach der Einrichtung einer Gaststätte im Erdgeschoss des Saalbaus 1912 beginnen wirtschaftliche Schwierigkeiten, und so übernimmt 1923 der Überseeclub das Gebäude im Nießbrauchrecht mit dem Recht, Um- und Aufbauten vornehmen zu dürfen. Im Juni 1923 wird das Gebäude unter Denkmalschutz gestellt. 1924 erfolgen nach Plänen der Architekten Klophaus & Schoch, Dyrssen und Averhoff eine Erhöhung des Gebäudes um vier Geschosse sowie ein grundlegender Umbau und eine Neugestaltung des Innenbereichs.

Im September 1943 wird das Haus bei einem Bombenangriff weitgehend zerstört. Die unteren Geschosse brennen aus, die Bibliothek der Patriotischen Gesellschaft und ihr Archiv werden vernichtet. Der Wiederaufbau ab 1945 unter der Leitung des Architekten Friedrich Ostermeyer hat das Ziel einer „schlichten und funktionalen Gestaltung“. Gesimse und Dachaufbauten werden reduziert, die Fenster erstmals weiß gefasst, die Paternoster zu Aufzügen umgebaut und das zentrale Treppenhaus des Saalbaus grundlegend verändert.

Seit 2015 wird das Haus auf Grundlage eines „Entwicklungskonzeptes 2030“ des Architekten Joachim Reinig saniert. Ziel ist die stärkere Öffnung des Hauses und die denkmalgerechte Sicherung und Modernisierung der Bausubstanz. Mit der Rekonstruktion des Säulenzimmers im neogotischen Kellergewölbe wurde ein neues Dialogforum erschlossen. In den Veranstaltungssälen wurden die Qualitäten der Nachkriegsmoderne wieder herausgearbeitet.

Die Räume des Saalbaus sind benannt nach den Gründervätern der Patriotischen Gesellschaft Reimarus, Kirchhof, Sonnin, Tonnies und Büsch. Die SAALHAUS GmbH, eine Tochtergesellschaft der Patriotischen Gesellschaft, vermietet diese Säle, für Veranstaltungen und erwirtschaftet so Mittel für die gemeinnützige Arbeit der Muttergesellschaft.